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Letzter Prior des Dominikanerklosters gestorben

Am 5. November verstarb in Berlin der letzte Prior des Warburger Dominikanerklosters, Pater Burkhard M. Runne O.P.. Er hatte das Kloster von 1987 bis zu seiner Auflösung 1993 geleitet.

P. Burkhard war das dritte Kind des Wormser Rektors Heinrich Josef Runne und seiner Ehefrau Dorothea und erhielt bei der Taufe die Namen Heinrich Leo. Die Schulzeit in Worms wurde im Januar 1944 unterbrochen, als er wie viele seiner Generation, zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Nach Kriegsende und fünfmonatiger Internierungshaft in Frankreich kehrte er an seine Schule zurück, an der er im August 1947 das Abitur bestand. Über seine Zeit als Soldat sprach er selten und mit großem Unbehagen. Halt in diesen schwierigen Zeiten boten ihm seine Familie und auch die Patres des Klosters St. Paulus in Worms.

Nach dem Abitur entschloss sich P. Burkhard zum Eintritt in den Predigerorden, wurde in Walberberg bei Köln eingekleidet und absolvierte zunächst dort, die letzten Monate dann in Warburg, sein Noviziatsjahr. In Warburg legte er am 6. Oktober 1948 die einfachen Gelübde ab und kehrte ins Studienhaus der deutschen Dominikaner nach Walberberg zurück. Am 22. Juli 1953 empfing er in der Kölner Dominikanerkirche Heilig Kreuz die Priesterweihe. Zwei Jahre später legte er sein Lektoratsexamen ab und wurde anschließend zu Ergänzungsstudien im Fach Fundamentaltheologie an die Universität Bonn gesandt.

In diesen Jahren gehörte auch Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., zu seinen Professoren. Eine Originalunterschrift aus dem Jahr 1958 in seinem Studienbuch belegt dies. P. Burkard erwähnte gelegentlich, natürlich mit einem Augenzwinkern, dass auch er zum Schülerkreis Benedikts XVI. gehöre.

1959 wurde P. Burkhard zum Kaplan am Dominikanerkloster St. Paulus in Berlin ernannt. 1963 erfolgte die Ernennung zum Pfarrer von St. Paulus. Er blieb es bis Juli 1987. Danach trat er, im Gehorsam gegenüber dem Provinzial und der Wahl seitens der Mitbrüder, das Amt des Priors im Noviziatskonvent in Warburg an. Der Weggang von Berlin wurde ihm sehr schwer.

Nicht ganz einfach waren auch die zwei Amtsperioden als Hausoberer in Warburg, da in diese Zeit die Auflösung des Klosters fiel. Die Dominikaner mussten das Kloster in Warburg aufgrund von Nachwuchsproblemen aufgeben. Außerdem wollten sie nach dem Mauerfall ihre Aktivitäten im Osten Deutschlands stärken. Besonders wichtig war P. Burkhard, dass es für das traditionsreiche Warburger Dominikanerkloster eine weiterhin kirchliche und keine profane Nutzung gab. Dies wurde mit dem Verkauf an die syrischorthodoxe Gemeinschaft sichergestellt.

1993 kehrte P. Burkard nach Berlin zurück. In seiner alten Pfarrei war er in den unterschiedlichen Funktionen, als Mitglied des neuen Pfarrteams oder später als Vikar des Pfarrers, tätig. Die Mitbrüder wählten ihn 1994 zum Prior, ein Amt, das er für sechs Jahre versah. Hinzu kamen in dieser Zeit weitere ordensinterne Ämter, so als Mitglied des Provinzkonsils und des Wirtschaftsrates. Von 2006 bis 2012 stand er einem seiner Nachfolger im Amt des Priors als Prokurator kompetent zur Seite.

Zunehmende gesundheitliche Probleme zwangen ihn im Frühjahr 2017, sein über alles geliebtes St. Paulus zu verlassen und in ein Pflegeheim umzuziehen. Dort konnte er am 22. Juni im Kreis seiner Familie und vieler Weggefährten noch seinen 90. Geburtstag feiern. Nach schweren Krankheitstagen wurde er am 5. November von Gott heimgerufen.