Historisches

Relief am Chorgestühl der Nonnenempore

Hl. Liborius

Hl. Liborius - Relief im Nonnenchor der Pfarrkirche St. Simon und Judas in Wormeln Die heutige Pfarrkirche St. Simon und Judas, die ehemalige Klosterkirche des in Wormeln 1246  gegründeten Zisterzienserinnenkonventes, birgt im Westen die Nonnenempore, auf der neben einem reich geschnitzten Altar und der Orgel das Chorgestühl seinen Ort hat. Während die Chorgestühlsitze noch aus dem 17. Jahrhundert stammen, sind die Dorsale, die Rückwände über den Rücklehnen, mit Feldern in Reliefschnitzerei des Rokoko geschmückt. In schwungvoll gekurvte Rahmen gesetzt, zeigen die Bilder Heiligendarstellungen in Ganzfigur. Auf der Nordseite führt der hl. Liborius diese Reihe an. Durch ein Schriftband an der von Engeln gehaltenen Bekrönung ist der Dargestellte ausgewiesen als „ S<anctus> LIBORIUS EP<iscopus>“, der Bischof, der Ende des 4. Jahrhunderts in Le Mans wirkte und dessen heiligen Gebeine 836 nach Paderborn überführt worden sind.

Ganz in der Formensprache des Rokoko wird uns der hl. Bischof auf einer Rocaille stehend präsentiert. Auch sein Bischofsstab, den er auf diesem muschelförmigen Ornament aufstützt, endet in der Krümme schließlich in einer gebogenen Rankenform. In seiner Rechten hält er zwischen Daumen und Zeigefinger einen Stein, weitere liegen auf dem Buch, das er mit seiner Linken umfasst. Diese Geste bedeutet einen Hinweis auf das Patronat des hl. Liborius bei Steinleiden, weswegen er von den Gläubigen um Fürsprache angerufen wird.

In zahlreichen Bildern begegnet uns der Bistumspatron auf diese Weise, indem er uns sein persönliches Attribut weist, so etwa in ganz ähnlicher Manier auf dem Opferstock im Paderborner Dom. Dieser Bildtypus in der Liboriusdarstellung findet verstärkt seit dem 900-jährigen Jubelfest von 1736 Verbreitung, als davon vermehrt in Kupfer gestochene Bilder in Umlauf  kamen.